Fuego
MUSIK | Listening

Nix für den Club und fürs Radio sowieso nicht ...

Velveteen legen ihr fünftes Album vor

Die Wahrnehmung der Frankfurter Band Velveteen ist in Deutschland eher verhalten. Die Begeisterung, die ihnen aus den USA entgegengebracht wird, ist da anders. Dort werden sie mehr besprochen, alles mit vielmehr USA-typischen Superlativen, da gibt es auch richtige Fans, die ihnen wundervolle Emails oder Kommentare schreiben und sich wünschen, sie kämen endlich auf Tour. Das ganze ging natürlich damit los als dieser verrückte Blogger 2007 das Album »Home Waters« als Death Cab for Cutie Leak von »Narrow Stairs« als Aprilscherz ins Internet gestellt hat. Also dass da ein Link war, an dem stand: hier könnt Ihr Euch das neue DCFC Album downloaden, das offiziell erst in 6 Monaten erscheint. In Wirklichkeit haben aber alle »Home Waters« downgeloaded. Da gab‘s dann über Nacht kein Halten mehr. Komischerweise sind da alle erstmal darauf reingefallen, haben sich, als sie gemerkt haben, dass da was nicht stimmt, aber über Ihre sogenannte „Neuentdeckung“ gefreut. Von MTV bis zu unzähligen Radiosendern haben viele Medien darüber berichtet und auf einmal hatten Velveteen den Salat und mussten sich über Amerika Gedanken machen. Sie bekommen wegen der Sache bis heute weiterhin viele nette Mails und haben immer noch den größten Teil ihrer Hörer in den USA.

Sechs Jahre sind nun vergangen, seit Velveteen ihr Album »27« veröffentlichten. Auf dem neuen Doppel-Vinyl »Gather & Reset«, das auch bei den Digital-Shops angeboten wird, haben sich Velveteen (wieder einmal) neu erfunden. So ist »Gather & Reset« wortwörtlich zu nehmen. Unter der Prämisse »Schluss mit Zweigitarrenbassschlagzeug als zwingende Grundlage« wurde die Arbeit angegangen. Völlig ungezwungen, ohne Zeitdruck und ohne Erwartungshaltungen bedienen zu müssen. Dabei wussten die Musiker oft nicht, wohin die Reise gehen würde. Aber genau dieses Abenteuer suchten sie. Ständig die Richtung wechseln. Arbeitsintensiv mitunter bis zu 120 Spuren mit Motiven bespielen. Sekunde für Sekunde aufeinandertürmen. Viel geloopt, viel geschnitten. Dabei landete einiges im Müll. Das haben sie drei Jahre lang gemacht bis sie die 14 Songs hatten, die jetzt auf dem Album sind. Neue Musik von alten Hasen.

Wo liegen heute die stilistischen Schwerpunkte, greifen jetzt Begriffe wie Alternative, Indie, Post, Noise, Rock, Pop noch? Nur nie eindimensional bleiben. Wenn wir versuchen, das, was wir hören einzuordnen, merken wir, welch visionäres Werk Velveteen gelungen ist.

»Man muss sich auf sie konzentrieren und dann eignen sich die Songs gut um Bilder im Kopf entstehen zu lassen«, haben Freunde der Band nach dem ersten Hören spontan gesagt. »Man muss schon etwas Muße haben.«

Das ist nix fürs Radio und nix für den Club. Das ist ein Album für den Schallplattenspieler und den iPod.

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